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juillet 26, 2019

Welt der Physik – Wie fliegt man zum Mond?

26 Juil 2019
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Weltderphysik.de : Wie fliegt man zum Mond?

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Hohmann-Bahn

https://i2.wp.com/www.weltderphysik.de/typo3temp/assets/_processed_/c/7/csm_20190719_Mondlandung_Apollo_11_WdP_4e20712da9.png?resize=467%2C269&ssl=1

Verlauf der Apollo-11-Mission

Vor fünfzig Jahren, am 20. Juli 1969, landeten Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Erdtrabanten. Zwischen Ankündigung und Umsetzung einer bemannten Mondlandung vergingen mehr als acht Jahre – ganz so einfach scheint es also nicht zu sein, von der Erde zum Mond zu gelangen.

„Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen“, proklamierte US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961. Mehr als acht Jahre vergingen, bis die NASA diesen kühnen Plan in die Tat umsetzte.In dieser Zeit entwickelte die Raumfahrtbehörde nicht nur die nötige Technik für einen Flug zum Mond, es galt auch die beste Reiseroute zum Erdtrabanten zu finden. Denn anders als auf der Erde ändern Start- und Endpunkt im Weltall während des Reiseverlaufs ihre Position relativ zueinander. Alles ist in ständiger Bewegung: Die Erde dreht sich um sich selbst und kreist um die Sonne. Und auch das Ziel – in diesem Fall der Mond – kreist um die Erde und mit ihr gemeinsam um die Sonne.Könnte man mit einer Rakete nicht trotzdem einfach von der Erde direkt zum Mond fliegen? Physikalisch spricht nichts dagegen. Doch für einen solchen Flug würde man einen extrem starken Antrieb und sehr viel Treibstoff benötigen. Und so versuchen die Raumfahrtwissenschaftler, die Anziehungskräfte der Himmelskörper optimal auszunutzen – und damit Energie zu sparen. Das beginnt bereits beim Start: Raketen schießt man bevorzugt in Äquatornähe und in Richtung der Erddrehung ins All. Allein dadurch nimmt eine Rakete eine Geschwindigkeit von 1674 Kilometern pro Stunde mit. Für eine typische Umlaufbahn um die Erde in einer Höhe von 300 Kilometern muss ein Raumfahrzeug allerdings eine Geschwindigkeit von 28 000 Kilometern pro Stunde erreichen.

Um aus einer Erdumlaufbahn möglichst energiesparend an einen weiter entfernten Ort – wie den Mond – zu gelangen, gibt es nun verschiedene Varianten. Eine ist die sogenannte Hohmann-Bahn: Dabei handelt es sich um eine Ellipse, in deren Brennpunkt sich die Erde befindet. Der erdnächste Punkt dieser Ellipse berührt die ursprüngliche Umlaufbahn um die Erde, der erdfernste Punkt der Ellipse befindet sich in der gewünschten Umlaufbahn – in diesem Fall also in der Umlaufbahn des Mondes. Bereits 1925 beschrieb der deutsche Raumfahrtpionier Walter Hohmann diesen Übergang zwischen zwei Bahnen in seinem Buch „Die Erreichbarkeit der Himmelskörper“.

Um auf eine solche zum Mond führende Ellipsenbahn zu gelangen, muss das Raumfahrzeug auf eine Geschwindigkeit von etwa 40 000 Kilometern pro Stunde beschleunigt werden. Die Triebwerke müssen dabei genau im richtigen Moment zünden, damit die angestrebte Hohmann-Bahn im erdfernsten Punkt tatsächlich auf den sich bewegenden Mond trifft. Dieses Flugmanöver war in den 1950er- und 1960er-Jahren sowohl technisch als auch rechnerisch eine Herausforderung. Jedes heutige Smartphone ist den für die Apollo-Missionen verwendeten Computern der NASA millionenfach überlegen. Und um in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten zu gelangen oder weich auf dem Mond zu landen, ist sogar eine noch kompliziertere Flugbahn nötig.

In zahlreichen Versuchen tasteten sich die Raumfahrtbehörden langsam an den Mond heran: Nach etlichen Fehlstarts raste am 4. Januar 1959 die sowjetische Sonde Lunik 1 am Erdtrabanten vorbei – in einem Abstand von etwa 6000 Kilometern. Am 12. September 1959 schlug mit Lunik 2 erstmals eine Raumsonde auf dem Mond auf. Die erste weiche Landung auf dem Mond gelang am 3. Februar 1966 der ebenfalls sowjetischen Sonde Luna 9. Und am 3. April desselben Jahres schwenkte Luna 10 erstmals in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten ein. Am 24. Dezember 1968 erreichte mit Apollo 8 dann erstmals ein bemanntes Raumschiff den Mond und umkreiste ihn innerhalb von zwanzig Stunden insgesamt zehnmal. Und schon sieben Monate später gelang der NASA mit Apollo 11 dann die erste bemannte Mondlandung.

Apollo 11 startete am 16. Juli 1969 und erreichte zwölf Minuten später planmäßig die Erdumlaufbahn. Die Rakete umkreiste unseren Planeten eineinhalbmal, bevor sie auf Mondkurs ging. Nach 76 Stunden erreichten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins den rund 380 000 Kilometer entfernten Erdtrabanten. Am 19. Juli schwenkten die Astronauten in eine Mondumlaufbahn ein. Einen Tag später koppelte die Landefähre – mit Armstrong und Aldrin an Bord – ab und setzte wenig später auf der Mondoberfläche auf. Am 21. Juli um 3:56 Uhr mitteleuropäischer Zeit betrat Armstrong als erster Mensch den Mond, zwanzig Minuten später folgte ihm Aldrin. Zweieinhalb Stunden dauerte der erste Ausflug auf die Mondoberfläche.Nach rund 21 Stunden auf dem Mond ging es dann zurück, erst zum Apollo-Raumschiff und dann zur Erde. Am 24. Juli 1969 landete die Kapsel mit den drei Astronauten im Pazifik.

Die Anreise der Apollo-Astronauten zum Mond dauerte drei Tage und vier Stunden. Eine kurze Flugzeit ist bei bemannten Missionen ein entscheidendes Kriterium, denn sie bedeutet eine geringere Strahlenbelastung für die Raumfahrer. Bei unbemannten Sonden spielt die Flugzeit dagegen eine geringe Rolle. So sind auch Flugrouten denkbar, die Monate dauern, dafür aber wenig Energie kosten. Solche Bahnen führen zunächst meist weit aus dem Erde-Mond-System heraus und machen sich die Anziehungskraft der Sonne zunutze, um schließlich zum Mond zurückzukehren. Statt der schubstarken chemischen Antriebe lassen sich dafür auch elektrische Antriebe verwenden. Ein weiterer großer Vorteil: Die Raumsonden nähern sich dem Mond mit einer geringen Relativgeschwindigkeit, wodurch nur geringe Korrekturen nötig sind, um in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten einzuschwenken.

Welt der Physik – Warum fliegen Frisbees?

26 Juil 2019
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Weltderphysik.de : Warum fliegen Frisbees?

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Eine Frisbeescheibe kann lange durch die Luft schweben – das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens ist die Scheibe gewölbt und zweitens versetzt man sie durch den Wurf in Rotation. Die Wölbung bewirkt einen Sog nach oben, und die Rotation hat beim Fliegen einen stabilisierenden Effekt.

Die gewölbten Plastikscheiben fliegen schon eine ganze Weile in der Gegend herum. Den Anfang machten die Kuchenformen einer Bäckerei in den USA namens „Frisbie Pie Company“, deren Flugeigenschaften auffällig gut waren. Seit Ende der 1950er-Jahre vermarktete eine andere Firma ähnlich geformte Scheiben unter dem Namen „Frisbee“.

Gleich mehrere physikalische Effekte ermöglichen, dass eine Frisbeescheibe so lange und weit durch die Luft schweben kann. Zunächst einmal ist eine Frisbeescheibe gewölbt. Strömt die Luft über diese Wölbung, entsteht ein Auftrieb wie bei einem Flugzeugflügel. Die Ursache hängt mit dem sogenannten Bernoulliprinzip der Strömungsphysik zusammen. Oberhalb der Scheibe bewegt sich die Luft schneller als an der Unterseite. Denn der Weg an der Oberseite ist durch die Wölbung länger. Dadurch herrscht über dem Frisbee ein geringerer Luftdruck als darunter und es entsteht ein Sog nach oben.

Doch dieser Effekt reicht noch nicht aus, um die Frisbeescheibe längere Zeit in der Luft zu halten. Verleiht man ihr beim Wurf nämlich keine Rotation, beginnt sie sofort zu flattern und fällt rasch zu Boden. Typischerweise dreht sich die Scheibe achtmal pro Sekunde, wenn sie die Hand verlässt. Die träge Rotation einer Masse bezeichnen Physiker als Drehimpuls. Der Drehimpuls ist eine Erhaltungsgröße und garantiert einen stabilen und ruhigen Flug, denn er dämpft zufällige Störungen der Rotationsbewegung. Greift eine kippende Kraft an dem Flugobjekt an, wird sie gewissermaßen abgelenkt, was ein Kippen verhindert. Der gleiche Effekt hilft übrigens, dass ein Kreisel bei Störungen immer wieder in die aufrechte Rotation zurückkehrt.

Dieser Effekt lässt sich durch die Form einer Frisbeescheibe noch verstärken: Eine breite „Krempe“ am Rand erleichtert nicht nur das Fangen der Scheibe, durch sie ist auch mehr Gewicht am Außenrand konzentriert. Diese Masseverteilung erhöht den Drehimpuls des Frisbee zusätzlich – und führt damit zu mehr Stabilität. Außerdem sorgt die Krempe für eine Art Fallschirmeffekt. Fliegt die Scheibe langsam, dann sinkt sie ganz gemächlich zu Boden, weil sie dem Fall einen großen Luftwiderstand entgegensetzt.

Zu guter Letzt besitzen viele Frisbeescheiben konzentrische Rillen auf der Oberseite, die einen besonders raffinierten Zweck haben: Sie wirken dem sogenannten Strömungsabriss entgegen, der vor allem bei Flugzeugen gefürchtet ist. Über den Tragflächen entstehen bei diesem Phänomen große Luftwirbel, wodurch die Geschwindigkeit der Luft stark sinkt. Infolgedessen reduziert sich der erwünschte Aufwärtssog. Das kann sogar zum Absturz führen. Die Rillen auf der Frisbeescheibe lassen kleine turbulente Luftströme auf der Oberfläche entstehen. Über diese kleinen Wirbel hinweg strömt die Luft deutlich besser und die Luftströmung, die den Auftrieb erzeugt, reißt nicht so leicht ab.

Welt der Physik – Aus dem Wind gedreht

26 Juil 2019
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Weltderphysik.de : Aus dem Wind gedreht

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01.07.2019

Einzelne Windräder liefern am meisten Strom, wenn die Drehachse des Rotors exakt in die Windrichtung zeigt. Doch für größere Windparks gilt diese einfache wie plausible Regel nicht mehr. Denn die Windräder in der ersten Reihe reduzieren die Windgeschwindigkeit und verursachen Turbulenzen, die die Stromausbeute der dahinter liegenden Anlagen sinken lässt. Nun haben Wissenschaftler eine Lösung für dieses Problem gefunden. Wie sie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten, muss man die Windräder nur etwas aus ihrer scheinbar idealen Ausrichtung zum Wind herausdrehen.

Michael Howland von der Stanford University in den USA und seine Kollegen simulierten die optimale Position von Anlagen in einem Windpark mithilfe eines Computermodells. Um der Realität so nahe wie möglich zu kommen, nutzten sie dazu innerhalb eines Jahres gemessene Winddaten. Den Simulationen zufolge ließe sich die gesamte Stromausbeute eines Parks steigern, wenn vor allem Windräder in der ersten Reihe um etwa 20 Grad aus ihrer idealen Position herausgedreht werden. Dieses Ergebnis überprüfte das Team während eines zehntägigen Testlaufs in einem kanadischen Windpark in der Provinz Alberta.

Wie erwartet produzierten die frontalen Windkraftanlagen weniger Strom – aber auch weniger Windverwirbelungen. „Durch diesen reduzierten Nachlaufeffekt lieferten die weiter hinten gelegenen Windräder signifikant mehr Strom“, berichtet Howland. So stieg der Ertrag von sechs in einer Reihe stehenden Windrädern bei durchschnittlichen Windstärken um 7 bis 13 Prozent. In Schwachwindphasen lieferten die jeweils 250 Meter voneinander entfernten Anlagen sogar bis zu 47 Prozent mehr Strom. Zudem zeigte sich die sonst stark schwankende Stromausbeute insgesamt ausgeglichener. Das ist ein erheblicher Vorteil, wenn es darum geht, die erzeugte Energie in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen.

Ob das gezielte Verdrehen der Windräder die Gesamtbilanz eines Windparks auch über Jahre hinweg optimieren kann, ist bisher noch unklar. Der Testlauf war schlicht zu kurz. Doch die Wissenschaftler planen bereits einen Langzeitversuch über ein ganzes Jahr. „Wenn sich diese Strategie auf große Windparks über lange Perioden anwenden lässt, können wir potenziell die Aerodynamik, die Stromausbeute und sogar die Flächennutzung von Windparks überall auf der Welt optimieren“, sagt Teammitglied John Dabiri, ebenfalls von der Stanford University.

In den vergangenen Jahren zeigten bereits mehrere Studien, dass Windverwirbelungen die Stromausbeute von Windparks stark beeinflussen. Die Effizienz von Windrädern in hinteren Reihen kann dadurch um bis zu 40 Prozent abfallen. Größere Abstände zwischen den Anlagen reduzieren diesen Effekt zwar, können ihn aber nicht völlig aufheben. Denn je nach Windbedingungen wirkt sich der Nachlaufeffekt über Distanzen von bis zu 50 Kilometern aus, bei Offshore-Windparks sogar noch weiter.

Welt der Physik – Quantenmotor mit hoher Effizienz

26 Juil 2019
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Weltderphysik.de : Quantenmotor mit hoher Effizienz

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16.07.2019

Gasturbinen oder Dieselgeneratoren erzeugen Strom, indem sie mithilfe von Hitze mechanische Rotationsbewegungen antreiben. Eine neuartige Wärmekraftmaschine im Nanomaßstab kommt dagegen ganz ohne mechanische Bauteile aus. Wie die Entwickler in der Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ berichten, erreicht die winzige Maschine eine mit modernen Gasturbinen vergleichbare Effizienz. Zwar könnten solche Nanokraftwerke nur sehr geringe Strommengen liefern. Zum Betrieb von Sensoren dürften diese aber prinzipiell ausreichen.

Gemeinsam mit seinen Kollegen setzte Heiner Linke von der Universität Lund eine vor gut 15 Jahren entwickelte, unkonventionelle Idee um: Einzelne Elektronen werden zwischen zwei Reservoiren mit jeweils unterschiedlichen Temperaturen ausgetauscht. In herkömmlichen Wärmekraftmaschinen wird dagegen der Wärmefluss zwischen den Reservoiren genutzt, um thermische in mechanische Energie umzuwandeln.

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Als Wärmereservoire setzten Linke und sein Team zwei filigrane Metalldrähte mit jeweils unterschiedlichen Temperaturen ein. Dazwischen positionierten sie eine winzige Struktur aus Nanodrähten, einen sogenannten Quantenpunkt. Aufgrund der winzigen Ausmaße führen quantenmechanische Effekte darin zu neuartigen physikalischen Eigenschaften. In diesem Fall wirkt die Nanostrukur als Filter, um nur Elektronen mit einer bestimmten Energie hindurchzulassen.

 

Mikroskopaufnahme des Nanokraftwerks

In den Experimenten wanderten nun einzelne Elektronen über den Quantenpunkt von der wärmeren zur kälteren Elektrode – angetrieben von der Temperaturdifferenz. Dabei ließ sich ein winziger Stromfluss bei etwa einem Volt Spannung messen. „Unser Ansatz zeigt, dass sich Wärme mit hoher Effizienz und ohne Zwischenschritt direkt in Elektrizität umwandeln lässt“, erläutert Linke. Die Effizienz des Nanogenerators liegt bei rund 70 Prozent des theoretisch möglichen Maximums. Herkömmliche Wärmekraftmaschinen erreichen ähnliche Werte.

Bei dem thermoelektrischen Nanokraftwerk handelt es sich allerdings noch um ein Grundlagenexperiment. So betrug die Temperaturdifferenz zwischen den Reservoiren nur etwa ein Grad und die absoluten Temperaturen bewegten sich nahe dem absoluten Nullpunkt. Derart tiefgekühlt sind konkrete Anwendungen kaum möglich. Doch kann sich Linke vorstellen, dass sich mit diesem Prinzip wartungsfreie Nanokraftwerke konstruieren lassen, die etwa aufgeheizte Elektronen in Solarzellen oder Computerprozessoren nutzen. Mit der winzigen Stromausbeute ließen sich beispielsweise Sensoren oder Quantenschaltkreise betreiben.

Spektrum.de : Stern bestätigt erneut Einstein

26 Juil 2019
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Spekturm.de : KI ist alles andere als grün

Rechenzentrum

26.07.2019 – Laut einer US-Studie emittiert das Training einer künstlichen Intelligenz fünfmal so viel CO2 wie ein Auto. Doch der Ausstoß hängt vom Einzelfall ab – und der Vergleich hinkt ein wenig.

Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Spamfilter sortieren unerwünschte E-Mails aus. Computerprogramme generieren automatisiert Sport- und Börsenberichte. Und virtuelle Assistenten wie Siri und Alexa beantworten unsere Sprachanfragen. Doch diese smarten Helfer im Alltag haben einen ökologischen Preis: Laut einer aktuellen Studie der University of Massachusetts Amherst emittiert das Trainieren eines einzigen neuronalen Netzwerks so viel CO2 wie fünf Autos. In Zeiten, in denen die Politik kontrovers über Klimaziele diskutiert und Klimaschutz ganz oben auf der Agenda steht, sorgt so eine Meldung für Gesprächsstoff – gerade weil mit der Entwicklung künstlicher Intelligenzen auch das Versprechen eines effizienteren Ressourcenverbrauchs verknüpft ist.

Die Forscher untersuchten in ihrer Studie vier verschiedene Modelle, die Sprache verarbeiten: Solche NLP-Modelle (natural language processing) kommen im Bereich der Spracherkennung und maschinellen Übersetzung zum Einsatz. Eines davon, der Textgenerator GPT-2, schreibt angeblich so täuschend echte Geschichten, dass die Entwicklerorganisation OpenAI sogar vor seinem Gebrauch warnte.

Um den Energieverbrauch der CPU und des Grafikprozessors zu messen, wurde jedes dieser Modelle einen Tag lang trainiert. Training heißt: Man füttert ein neuronales Netz mit riesigen Datensätzen, in diesem Fall annotierten Texten und Wörtern. Aus dem Verbrauch, welche die Modelle für die einzelnen Arbeitsschritte benötigten, errechneten die Forscher den Energiebedarf für die gesamte Prozedur. Auf Basis eines Umrechnungsschlüssels der US-Umweltbehörde EPA konvertierten sie die Verbrauchs- in Emissionswerte, die ungefähr dem Energiemix von Amazon Web Services, dem größten Cloud-Computing-Anbieter, entsprechen.

Menschliche Intelligenz verbraucht viel weniger Energie

Die Ergebnisse, die die Wissenschaftler in ihrer Studie präsentieren, sind erschreckend: Beim Training eines einzigen Modells werden 313 Tonnen CO2 emittiert. Das ist ungefähr das Fünffache dessen, was ein Fahrzeug in seinem gesamten Lebenszyklus (inklusive Kraftstoff) verbraucht. Der hohe Energieverbrauch resultiert vor allem aus der Rechenpower, die für die Verarbeitung riesiger Datenmengen nötig ist. Dass (Grafik-)Prozessoren für Deep-Learning-Verfahren energieintensiv sind, ist keine neue Erkenntnis. Die Jeopardy-Version von IBMs Supercomputer Watson  benötigte 85 000 Watt, um bei der Rateshow zwei menschliche Spieler zu bezwingen. Zum Vergleich: Das menschliche Gehirn benötigt gerade einmal 20 Watt. Die Dimension des Verbrauchs überrascht dann doch, zumal es weitaus trainingsintensivere Verfahren (etwa von CT-Aufnahmen im medizinischen Bereich) gibt.

 

Spekturm.de : Stern bestätigt erneut Einstein

Orbit von S2

26.07.2019 – Seit 25 Jahren beobachten Astronomen einen Stern, der enge Bahnen um das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie zieht. Dabei verhält er sich ganz so, wie von der Relativitätstheorie vorhergesagt.

Der Stern S2 gehört zu den spektakulärsten Objekten unserer Galaxie: Er bewegt sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums der Milchstraße, wo ein supermassereiches Schwarzes Loch sein Unwesen treibt. S2 umrundet dieses Monstrum auf einer lang gestreckten Ellipse, wobei er 16 Jahre für einen Umlauf braucht. Der bläulich leuchtende Riesenstern nähert sich dem Ereignishorizont dabei auf bis zu 120 Astronomische Einheiten an, die 120-fache Entfernung der Erde zur Sonne. Die extreme Schwereanziehung beschleunigt ihn dabei zeitweise auf 2,7 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgen Astronomen den besonderen Stern mit Teleskopen. Dabei haben sie unter anderem Vorhersagen von Einsteins Relativitätstheorie testen können, die in dem extremen Gravitationsfeld des supermassereichen Schwarzen Lochs zum Tragen kommen. Erst 2018 wiesen Forscher der Europäischen Südsternwarte ESO nach, dass die enorme Schwerkraft das Licht von S2 ein wenig in die Länge zieht, Physiker sprechen von « gravitativer Rotverschiebung ». Ein Team um Tuan Do von der University of California in Los Angeles kommt nun zum selben Ergebnis: Die Forscher werteten alte und neue Messdaten aus, darunter drei noch nicht analysierte Monate aus dem Jahr 2018. Damit könne man sicher sein, dass die gravitative Rotverschiebung auch außerhalb unseres Sonnensystems auftrete, wo die meisten früheren Messungen des Effekts stattgefunden hätten, schreiben die Wissenschaftler in « Science ».

Orbit von S2 | Der Stern S2 (gelbe Ellipse) kommt dem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße (roter Punkt in der Bildmitte) extrem nah.
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